Vom internationalen Projektleiter zum Münchner Stadtführer: Albert Greskas inspirierende Encore Career

Wer Albert Greska heute in München bei einer historischen Stadtführung begegnet – in der Oktoberfestzeit sogar in Lederhosen – käme kaum auf die Idee, dass er zuvor jahrzehntelang in internationalen Konzernen tätig war. Seine Karriere führte ihn als Führungskraft bei Siemens und später als Projektleiter bei Fujitsu um die ganze Welt, wo er Verträge verhandelte und große Projekte verantwortete. Doch mit 61 Jahren eröffnete sich für ihn eine ganz neue Lebensphase.

Im Rahmen eines Personalabbauprogramms seines Arbeitgebers stimmte er einem Aufhebungsvertrag zu. Nach einer langen Asienreise mit seinen Töchtern genoss er zunächst die neu gewonnene Freiheit, doch bald spürte er: „Ich will noch etwas machen, mich persönlich entfalten.“

Die Idee für seine zweite Karriere kam ihm zufällig: Bei einer Stadtführung in München dachte er spontan, das könnte ich auch. Schließlich hatte er schon bei Siemens mit Leidenschaft Seminare gehalten, eine rhetorische Ausbildung absolviert und nie Berührungsängste vor großen Gruppen gehabt. Geschichte, sein Lieblingsfach in der Schule, und die lebendige Bibliothek seines Großvaters, die ihn als Kind fasziniert hatte, taten ihr Übriges.

Kurzerhand bewarb er sich bei einem Touranbieter, der neue Stadtführer ausbildete. In einem Mini-Assessment überzeugte er sofort. „Jeder bekam eine Kurzgeschichte und sollte sie spannend vortragen. Das hat mir Spaß gemacht und kam offenbar auch gut an“, erzählt Albert. Seine Motivation war klar: Neues ausprobieren, sich selbst in einer völlig anderen Rolle erleben, dazulernen und die Erfahrung machen, ob die neue Aufgabe wirklich zu ihm passt.

Ein verborgenes Talent wird sichtbar

Was er damals nicht ahnte: In seiner Encore Career entdeckte er eine Fähigkeit, die in seiner ersten Karriere nie gefragt war: Sein komödiantisches Talent. Diese Gabe, die er wohl von seinen theaterbegeisterten Eltern geerbt hat, bereichert heute seine Führungen. „In einer Karriere entwickelt man nur einen Teil seiner Fähigkeiten, andere schlummern, bis sie später ans Licht kommen“, sagt Greska rückblickend.

Das Feedback seiner Gäste war von Anfang an begeisternd. Der direkte Kontakt und das Leuchten in den Augen seiner Teilnehmer bestätigte ihn darin, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Für ihn ist jede Führung ein kleines Kunstwerk, das in Erinnerung bleiben soll. Deshalb reflektiert er nach jedem Einsatz, besucht regelmäßig Fortbildungen, hält sein Englisch auf hohem Niveau und entwickelt seine Fähigkeiten ständig weiter.

Sein Anspruch: Die Führungen, ob auf Deutsch oder Englisch, sollen nicht nur informieren, sondern inspirieren, unterhalten, verzaubern und Geschichte lebendig werden lassen. Diese Lernfreude und Offenheit haben ihn in beiden Karrieren ausgezeichnet und tragen maßgeblich auch zu seinem Erfolg als Tour Guide bei.

Mut zum Ausprobieren

Albert Greska rät allen, die eine Encore Career anstreben: „Man weiß erst, ob etwas passt, wenn man es ausprobiert.“ Scheitern gehöre dazu und dürfe keine Angst machen. Diese Offenheit, die in seiner internationalen Karriere selbstverständlich war, möchte er auch anderen ans Herz legen.

Was mich an Albert Greska besonders fasziniert, ist seine bemerkenswerte Fähigkeit, den Schritt ins Unbekannte zu wagen. Er zeigt uns, dass die eigenen Stärken und Talente oft noch schlummern und nur darauf warten, im richtigen Kontext entfaltet zu werden. Auch wenn er in seiner ersten Karriere viel erreicht hat, bleibt er nicht in der Komfortzone, sondern wagt den Sprung in eine völlig neue Welt. Das ist es, was eine Encore Career so spannend macht: sie erlaubt uns, uns neu zu entdecken und Talente zu entfalten, von denen wir vielleicht nie wussten, dass wir sie haben.

Sein eigenes Fazit ist eindeutig: Die Entscheidung für diese neue Laufbahn war genau richtig. Die Vielfalt der Themen, das internationale Publikum, die spannenden Begegnungen – all das bereichert ihn so sehr, dass er viele Jahre mit Begeisterung weitermachen möchte. Und für die Zeit danach? „Da habe ich auch schon eine Idee“, verrät er lachend, „aber die bleibt vorerst geheim.“

Albert Greska, City Guide, agreska@t-online.de

Dr. Karin von Schumann